Texte, Lyrik, Dramolette

Thomas M. Fiedler

 

 

Aus der Mitte des Seins
 

Brief (aus Dürnstein) an Inge vom 26.8.1988;

von ihr am 18.3.2020 wiederentdeckt.

Liebe Inge, herzlichen Dank für

die jahrzehntelange Archivierung!

 

Da mich schon seit der Volksschulzeit die nicht mehr verwendete Kurrentschrift interessiert hat, ich diese daher auch, um sie nicht in Vergessenheit geraten zu lassen, immer wieder im "Alltag" geübt habe, sehr zum Nutzen während meiner Studienzeit, da fast alle Kataloge in den Bibliotheken in dieser geschrieben waren, habe ich auch einige Buchstaben und Worte dieses Briefes in Kurrentschrift verfasst.

Daher gibt es hier die "übersetzte" Abschrift (mir gleichem Zeilenumbruch - Seitenwechsel sind mit ---------- markiert), das Original findet sich als PDF-Download am Ende dieser Seite.

 

 

                                                                        26.8.1988

                            Liebe Inge!


Nun habe ich endlich Zeit Dir zu schreiben.

Letzte Woche war ich ein paar Tage in Prag.

Habe dort die Schauspieler besucht, die ich beim

Kremser Stadtfest kennengelernt habe. Prag

ist wie Wien, aber eben leider Ostblock.

Diese Woche verbringe ich in Dürnstein (Wachau)

"Ruhetage". Nur lesen, denken, malen.

Und das tut gut.

Bind dabei auf interessante Formulierungen

gestoßen:

 

"Alles Daseiende, alle Tiere, Pflanzen, Stein und

Erde, Luft, Feuer und Wasser leben

anspruchslos aus der Mitte des Seins,

ohne sie verlassen zu haben und verlassen

zu können. Alles Daseiende, außer dem

Menschen ...

Die besondere Gefahr aber besteht darin,

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daß der Mensch naiverweise das gar

nicht weiß, und sagte man es ihm, es

nicht verstehen kann. Mit seiner Ich-

haftigkeit verbindet sich eine Entstellung

der Daseinswirklichkeit. Sein Blick ist

verstört. Er kann also gar nicht vergleichen

und den Unterschied zwischen dem was

er ist und dem was er sein sollte,

einsehen.

Denn was und wie er sein sollte, läßt

sich nicht vorweg beschreiben.

Es ist nicht ein anderer Stil, eine

andere Richtung seines alltäglichen

Lebens, kein Bild, das er

verwirklichen könnte; nichts, was

er mit Bewußtsein und Willen,

Ernst und Verantwortungsbewußtsein

durchführen könnte, sondern

etwas total anderes."

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... und das liegt zwischen den

Momenten und zeigt im Kleinsten

das Eigentliche, das Ganze.


                 Bussi

                         Thomas


 

 

 

 

Originalbrief als PDF (download):

"Aus der Mitte"

 

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© T.M.FIEDLER 1988

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