Texte, Lyrik, Dramolette

Thomas M. Fiedler

 

Exzentrischer Orgasmus

Versuch einer Erklärung

von Thomas M. Fiedler

 

Zum exzentrischen Orgasmus zählt zuerst einmal der Gedanke, was sich wohl die unfreiwilligen Beobachter der Szene über den, sich im Orgasmus schwelgenden Geist für ein Bild, das sicher auch exzentrisch ist, formen und dabei ihre eigene Illusion im Geschehen verwirklicht sehen.

Aber, der den Orgasmus Anstrebende sucht nicht die, ihre Illusion im Geschehen Verwirklichenden, sondern seine eigene Verwirklichung im Geschehen.

Das Geschehen erfolgt durch die Zurschaustellung der Exzentrik und nicht durch die Illusion der exzentrischen Exhibition.

Eine durch die exzentrischen Sinne wahrgenommene Darstellung der Umwelt ist die für den Nichtexzentriker unerreichbare Verschiebung der Realität, aus dem Wirklichen in die Welt der gewünschten Umgebung.

Als Teil der Exhibition gilt die Veranschaulichung und Erklärung der eigenen Gefühle für andere, in gleichen Sphären Schwebende.

Sich nicht verwirklichende Individuen zeigen ihre Gefühle durch, mit waidwundem Blick in Zerstörung ausartende Gestik, wie Zertrümmern von Gegenständen und Vergewaltigen von sich selbst und anderen.

Zum Schluss für alle Nichtexzentriker:

Auch mir kommt die Exzentrik, nach erfolgerter Exhibition, als Illusion längst vergangener Epochen vor.

Doch auch diesen Satz wird mir die Zivilisation stehlen ...

 

© T.M.FIEDLER 1979

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